Wunderbare Wiener Waschweiber: Wie weiches Wasser Wäsche weiß wäscht

Wir wunderbaren Wiener Waschweiber würden wunderbar weiße Wäsche waschen, wenn wir wüssten, wo weiches Wasser wäre. Der alte Kinderspruch bringt das mit dem Waschen und der Wasserhärte auf den Punkt: Je weicher das Leitungswasser, desto besser ist das Waschergebnis und umso weißer wird die Wäsche. Aber warum ist das so?

Wie man früher die Wäsche weiß bekam

Zu den Zeiten der stolzen Wiener Waschfrauenzunft waren Vollwaschmittel & Co. noch unbekannt. Man wusch mühsam mit Waschbrett und Kernseife und breitete die frische Wäsche auf der Bleiche aus. Das waren ausgewiesenen Wiesenflächen, auf denen man die Wäschestücke in die Sonne legte, auf dass der vom Grünzeug darunter abgegebene Sauerstoff sie bleichte. So wurde die Wäsche wunderbar weiß, ganz ohne Bleichmittel.

Was ist Seife?

Seife nennt man die Natrium- und Kaliumsalze von Fettsäuren. Früher kochten die Seifensieder tierische Fette mit Natron- und Kalilauge, Pottasche oder Soda. Dadurch werden Fette in Glycerin und Fettsäuren zerlegt, und die Fettsäuren bilden mit den Natrium- und Kaliumionen Salze. Gibt man Kochsalz hinzu, fällt der Seifenkern aus, sodass man ihn von der restlichen Lauge trennen, formen und trocknen kann.

Die so gewonnene Kernseife ist heute aus der Mode gekommen. Toilettenseife enthält zusätzlich Farb- und Duftstoffe und wird gewalzt, bis sie schön glänzt und sich gut zu Seifenstücken formen lässt.

Wie Wäsche sauber wird - und wie nicht

Waschmittel enthalten neben Seife weitere Tenside, eiweiß- und fettabbauende Enzyme gegen Flecken, Aufheller, Phosphate, Wasserenthärter und andere Inhaltsstoffe.

Den hauptsächlichen Wascheffekt vermittelt wie zu alten Zeiten Tenside wie die in der Seife. Beim Waschen lagern sich ihre langkettigen Fettsäuren an fetthaltige Verunreinigungen des Wäschestücks an und machen sie wasserlöslich, sodass sie in die Waschlauge übergehen und die Wäsche sauber wird.

Die langkettigen Fettsäuren mit Natrium- und Kaliumionen lösen sich gut in Wasser. Anders sieht das aus, wenn Calcium- und Magnesiumionen hinzukommen. Die damit gebildeten Salze lösen sich wesentlich schlechter und fallen als graue Kalkseife aus. Sie sorgt für das unschöne Vergrauen der Wäsche und lagert sich in Waschmaschine und Abwasserrohren ab, wo sie nur schwer zu entfernen ist.

Hartes Wasser beeinträchtigt das Waschergebnis

Neben dem Vergrauen beeinträchtigt der Verlust an waschaktiver Substanz das Waschergebnis. Je härter das Leitungswasser ist, desto mehr Calcium- und Magnesiumionen enthält es. Je mehr von diesen Ionen im Wasser vorhanden sind, desto mehr Seife geht in Form von Kalkseife verloren. Die Folge: Man braucht umso mehr Waschmittel, je härter das Wasser ist. Ganz ähnlich sieht das mit dem Spülmittel und Regeneriersalz in der Geschirrspülmaschine aus.

Das ist der Grund, warum moderne Waschmittel anderen Tensiden als der Seife den Vorzug geben. Sie reagieren nicht ganz so empfindlich auf Calcium und Magnesium. Trotzdem spielt die Wasserhärte nach wie vor bei der Dosierung der aktuellen Vollwaschmittel, Bunt- und Feinwaschmittel eine Rolle.

Waschmittel für bestimmte Wasserhärtebereiche

Seit 2013 gibt es spezielle Waschmittel für bestimmte Wasserhärten. Je nachdem welchen Härtebereich das Leitungswasser hat, kann man wie in einem Baukastensystem die erforderliche Menge Enthärter und Waschmittel miteinander kombinieren. Im Härtebereich hart benötigt man naturgemäß mehr davon als im Härtebereich weich. Hart bedeutet einen als Calciumcarbonat berechnete Menge von mehr als 2,5 Millimol, mittel 1,5 bis 2,5 Millimol, weich weniger als 1,5 Millimol Mineralstoffe pro Liter.

Quellen, Links und weiterführende Literatur