Stiftung Warentest und Ökotest: Doppelte Haue für Mineralwasser

Wein, Bier und Limonade können mit der Beliebtheit von Mineralwasser kaum mithalten. Jeder Deutsche trinkt pro Jahr durchschnittlich 150 Liter davon. Umso erschreckender sind die Testergebnisse, die Stiftung Warentest und Ökotest im Juni 2019 veröffentlicht haben. Keime und Schadstoffe wie Pestizide und Schwermetalle fanden sich bei vielen beliebten Mineralwassermarken.

Schreck lass nach! Mineralwasser nicht so gesund wie gedacht?

Ökotest und Stiftung Warentest untersuchen regelmäßig die Qualität verschiedener Flaschenwasser und veröffentlichen ihre Ergebnisse im jährlichen Rhythmus. 2019 waren bei Stiftung Warentest stille Mineralwasser an der Reihe und bei Ökotest solche der Sorte Classic mit Kohlensäure.

Die Ergebnisse sind ernüchternd. Stiftung Warentest fand bei der Hälfte der 32 untersuchten stillen Mineralwassersorten Keime oder Schadstoffe, zweimal gab es ausreichend, zweimal mangelhaft. Ausgerechnet die teuren Bio-Wasser schnitten teilweise verheerend ab.

Eine Belastung mit Bakterien ist bei stillem Wasser offenbar nicht ungewöhnlich. Viele Keime werden durch Kohlensäure abgetötet, wohingegen sie sich in pH-neutralem Wasser munter vermehren. Weitere nachgewiesene Schadstoffe wie krebserregendes Vanadium, radioaktives Radium und Pestizidrückstände haben in einem Lebensmittel ebenso wenig zu suchen.

Das von Ökotest untersuchte 53 Classic-Mineralwasser schneidet vielfach nicht besser ab. Man fand bei jedem dritten Wasser neben Arsen, Bor und Uran Pestizide aus der Landwirtschaft. Der Nachweis von Süßstoffen deutet darauf hin, dass Rückstände aus privaten Haushalten früher oder später im Grundwasser und letztlich im Trinkwasser und Mineralwasser auftauchen. Man darf sie als Indikator ansehen, dass Gleiches für Medikamente wie Hormone aus Verhütungsmitteln und andere arzneilich wirksame Substanzen gilt.

Die Qualität von Mineralwasser im Vergleich zu Leitungswasser

Wer im Ausland Urlaub macht, kauft meistens Flaschenwasser für die Zubereitung von Tee und Kaffee und verzichtet auf Salat, der mit Wasser aus dem Hahn gewaschen wurde. Nicht zu Unrecht - unser Gedärm reagiert wesentlich empfindlicher auf die Keime, die vielerorts im Leitungswasser lauern als Einheimische, die von klein auf nichts anderes gewohnt sind.

In Sachen Leitungswasser sind wir in Deutschland extrem verwöhnt. Die Trinkwasserverordnung sieht zahlreiche Grenzwerte für Schadstoffe wie Chlor, Nitrat oder Uran vor und sorgt mit strenger Kontrolle durch die zuständigen Behörden dafür, dass es als eines der bestüberwachten und gesündesten Lebensmittel gilt.

Die vorgeschriebenen Höchstkonzentrationen liegen sogar vielfach niedriger als in der Mineral- und Tafelwasserverordnung. Mineralwasser darf fünfzigmal mehr Blei enthalten als Leitungswasser. Ähnlich sieht es mit Natrium aus - an sich unschädlich sorgt es in großen Mengen für Bluthochdruck und Arterienverkalkung. Viele wegen ihres leicht salzigen Geschmacks beliebte Mineralwasser dürfte ein Wasserversorger nicht in sein Leitungssystem einspeisen.

Fazit zu den Testergebnissen von Mineralwasser

Schaut man sich die Ergebnisse von Ökotest und Stiftung Warentest an, sollte man über den Genuss von Leitungswasser nachdenken. Glücklicherweise gibt es immer noch gut benotetes Mineralwasser, aber ist das auch wirklich notwendig? Sprudelautomaten in privaten Haushalten oder Trinkwasserspender in Büro und Betrieb sorgen für prickelnde Frische ohne lästiges Kistenschleppen.

Gerade was stilles Mineralwasser angeht, ist der Unterschied zu dem, was aus der Wasserleitung kommt, kaum nachvollziehbar. Sogar das vielfach angepriesene und teuer verkaufte Wasser, das "Für die Zubereitung von Babynahrung geeignet" ist, ist nach Ansicht von Stiftung Warentest unnötig.

Der vielfach angepriesene hohe Mineralstoffgehalt entspricht nur noch selten der Realität - im Zuge der EU-weiten Angleichungen hat man den vor 1980 vorschriebenen Mindestgehalt an Mineralien gestrichen. Was mindestens tausend Milligramm Mineralstoffe pro Liter enthalten musste, bietet inzwischen oftmals weniger Elektrolyte als ein durchschnittliches Wasser aus der Leitung.

Quellen, Links und weiterführende Literatur