Ökotest: Jedes dritte Mineralwasser mit Giften und Pestiziden

In Deutschland herrscht brütende Hitze, als Ökotest Hiobsbotschaften über die Qualität von Mineralwasser veröffentlicht. Pestizide, Uran und andere Schadstoffe wurden in einem Drittel der untersuchten Flaschenwasser gefunden. Darüber hinaus kritisieren die Tester den Plastikmüll, der bei Mineralwasser von Discountern anfällt.

Was hat Ökotest beim Mineralwassertest untersucht?

Wie gefragt Mineralwasser ist, zeigt eine Erhebung vom Verband Deutscher Mineralbrunnen - um die 150 Liter hat jeder Deutsche in 2018 verbraucht. Ökotest nahm das zum Anlass, insgesamt 53 Sorten Mineralwasser der Sorte Classic - also mit Kohlensäure - unter die Lupe zu nehmen. Das Testergebnis ist ernüchternd: 28 der getesteten Mineralwässer wurden mit gut und sehr gut benotet, der Rest wies teils gravierende Qualitätsmängel auf. Ein Drittel war mit Schadstoffen belastet.

Arsen, Bor und Uran im Mineralwasser

Die gute Nachricht: Grenzwerte wurden nur selten überschritten - vor allem, weil es sie ausgerechnet in der Mineral- und Tafelwasserverordnung nicht gibt.

Das aus Kriminalromanen bekannte Arsen möchte sicherlich niemand zu sich nehmen. In zwei der untersuchten Wassersorten fand man Spuren davon. Die von der Mineral- und Tafelwasserverordnung vorgegebenen Grenzwerte wurden zwar nicht überschritten, aber Arsen gilt als krebserregend und sollte weder in Trinkwasser noch in Mineralwasser auftauchen.

Nicht viel besser sieht es mit dem radioaktiven Uran aus, das sich im Körper ansammelt und Niere und Lunge schädigt. Für Mineralwasser gibt es keinen Grenzwert, sieht man von Wasser ab, das "Für die Zubereitung von Babynahrung geeignet" ist. Legt man das Baby-Wasser als Messlatte an, fielen vier Mineralwassersorten durch. Auch für das giftige Bor gibt es keinen gesetzlichen Grenzwert in der Mineral- und Tafelwasserverordnung - im Gegensatz zur teils wesentlich strengeren Trinkwasserverordnung. Gemessen an dieser lag ein Mineralwasser über dem Höchstwert und eines knapp darunter.

Pestizide im Mineralwasser

Schadstoffeinträge aus der industriellen Landwirtschaft machen vor Mineralwasser nicht halt. Das seit Jahrzehnten verbotene Atrazin taucht nach wie vor im Grundwasser auf, das in die Schlagzeilen geratene Glyphosat immer häufiger. Abbauprodukte solcher Pestizide fand Ökotest in elf der getesteten Mineralwassersorten.

Woher kommen Süßstoffe und Arzneimittel im Mineralwasser?

Viele mag der Fund von Süßstoffen im Mineralwasser überraschen - auch die hat Ökotest in vier Proben nachgewiesen. Das zeigt, dass Rückstände aus dem Abwasser von Haushalten in immer größerer Menge im Grundwasser und letztlich auch im Leitungswasser und in Mineralwasser auftauchen.

Eine größere Rolle als Süßstoffe dürften Arzneimittel spielen, wie Hormone aus Verhütungsmitteln, die wachsende Umweltprobleme hervorrufen. Wie andere Medikamente lassen sie sich nur in einer Wasserprobe finden, wenn man mit viel Aufwand gezielt danach sucht - wie das bei einer genaueren Analyse aussehen würde, will man sich gar nicht vorstellen.

Plastikmüll und Mikroplastik durch Einwegflaschen

Die Müllberge, die beim Verbrauch von Mineralwasser anfallen, sind immens. Besonders die großen Discountmarken glänzen mit Einmalflaschen, die mehr Inhalt für weniger Geld als Pfandflaschen bieten - aber als Einwegflaschen sofort im Plastikmüll landen.

Einmal in der Umwelt angelangt verrottet Plastik nur extrem langsam. Die Müllteppiche in den Ozeanen sind aus den Schlagzeilen kaum noch wegzudenken, und die Probleme mit Mikroplastik nehmen tagtäglich zu. Laut WWF nehmen wir davon jede Woche den Gegenwert einer Kreditkarte zu uns.

Quellen, Links und weiterführende Literatur