Bericht zum Grundwasser: Weniger Pestizide, mehr Glyphosat

Die Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) hat den Bericht zur Grundwasserbeschaffenheit mit Pflanzenschutzmitteln herausgebracht. Die Gesamtbelastung ist dank des langjährigen Verbotes von Atrazin zurückgegangen, allerdings wird Glyphosat immer häufiger nachgewiesen.

Grundwasser ist wichtig für unsere Trinkwasserversorgung

Grundwasser ist in Deutschland die wichtigste Quelle für Trinkwasser. Entsprechend bedeutsam ist der Schutz der Grundwasserqualität. Daher überprüft die LAWA, eine Arbeitsgemeinschaft von Bund und Ländern, in regelmäßigen Abständen die Grundwasserbeschaffenheit. Zu ihren Aufgaben gehört die Kontrolle der Konzentrationen an Pflanzenschutzmitteln (PSM). Der aktuelle Berichtszeitraum erfasst die Jahre 2013 bis 2016 und wurde im Sommer 2019 veröffentlicht.

Pflanzenschutzmittel im Grundwasser

Für den Bericht wertete man die Messergebnisse von insgesamt 14.461 Messstationen aus. An 18,8 Prozent davon fand man relevante Mengen von Pflanzenschutzmitteln oder ihren Abbauprodukten. Dabei wurden Konzentrationen über 0,1 Mikrogramm pro Liter von mindestens einem Einzelstoff an 3,8 Prozent der Messstellen nachgewiesen.

Was sagt der LAWA-PSM-Bericht?

Gegenüber dem vorhergehenden Bericht ist das eine Besserung. 1990 bis 1995 lag die Pestizidbelastung noch an 9,7 Prozent der Messstellen über dem Grenzwert von 0,1 µg/l. Zurückzuführen ist das vor allem auf das Verbot von Atrazin, das seit 1991 nicht mehr eingesetzt wird. In den vergangenen 26 Jahren reduzierte sich die Anzahl der Messstellen, an denen Atrazin und sein Abbauprodukt Desethylatrazin oberhalb der Belastungsgrenze nachweisbar waren, auf etwa ein Fünftel.

Traurige Realität: Trotz der langen Zeitspanne nimmt Desethylatrazin nach wie vor den Spitzenplatz ein, Atrazin selbst liegt auf Rang 3. Das zeigt, dass Pflanzenschutzmittel trotz jahrelanger Verbote weiterhin Probleme bereiten.

Sonderrolle Glyphosat

Ähnliches könnte für Glyphosat gelten, das mit der Firmenübernahme von Monsanto durch Bayer in die Schlagzeilen kam. In der BRD wird es seit 1974 als Pflanzenschutzmittel verwendet. 2017 wurden nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) 4.700 Tonnen ausgebracht.

Mit einem Anteil von rund 30 Prozent der in Deutschland eingesetzten Herbizidmenge ist es aktuell der Spitzenreiter. Bodenbakterien bilden daraus Aminomethylphosphonsäure (AMPA), die ebenso aus Phosphonsäuren in Wasch- und Reinigungsmitteln entsteht. Die ersten Funde des Pestizids oberhalb 0,1 µg/l stammen aus dem Zeitraum 2001 bis 2005 - rund dreißig Jahre nach Zulassung. Inzwischen wurde es an 4.206 Messstellen festgestellt und hat damit deutlich zugenommen.

Grundwasser durch weitere Substanzen gefährdet

Dem Grundwasser drohen unabhängig vom aktuellen LAWA-PSM-Bericht weitere Gefahren. Außer Pestiziden sorgt die industrielle Landwirtschaft mit Gülle und Kunstdünger für hohe Belastungen mit Nitraten. Tierarzneimittel wie Antibiotika führen in der Umwelt zur Bildung resistenter Bakterienstämme und erscheinen auf kurz oder lang ebenfalls im Grundwasser. Sie stellen die Wasserversorger bei der Trinkwassergewinnung vor immer größere Probleme.

Umweltverbände fordern Pestizid-Verbote

Das Beispiel Atrazin zeigt, wie lange Pflanzenschutzmittel und ihre Metabolite in Boden und Grundwasser verbleiben. Daher fordern Umweltorganisationen wie Greenpeace oder der Bund für Umwelt und Naturschutz NABU schon seit langem ein Verbot künstlicher Pestizide. Sie verweisen dabei auf das aktuelle Insektensterben, das vor allem die Bienen bedroht. Darüber hinaus führen Pflanzenschutzmittel zu massiven Beeinträchtigungen ganzer Ökosysteme und reichern sich in der Nahrungskette an - nicht zuletzt über das Grundwasser.

Quellen, Links und weiterführende Literatur