Warum ist die Qualität von Wasser für Säuglingsnahrung so wichtig?

Mineralwasser, Tafelwasser, Babywasser, Leitungswasser – Wasser ist bereits für Babys und Säuglinge Grundnahrungsmittel Nummer eins, ob nun als Tee oder als Babybrei zubereitet. Schwermetalle, radioaktive Substanzen, Pestizide oder sonstige Schadstoffe im Wasser sind für das Kind gesundheitlich besonders abträglich. Die möglichen Folgen für Wachstum und Entwicklung reichen bis ins Erwachsenenalter.

Babys Immunsystem und die Keime

Bei Säuglingen muss sich das Immunsystem erst an die rauen Bedingungen außerhalb von Mamas Gebärmutter gewöhnen. Daher benötigt die Immunabwehr ein ausgiebiges Training, bis sie mit aller Unbill zurecht kommt. Eltern wissen ein Lied davon zu singen, wenn ihr Nachwuchs wieder neue Sparringspartner aus Krabbelgruppe oder Kindergarten mitgebracht hat: Je jünger das Kind, desto schneller holt es sich eine Infektion.

Daher sollte das Wasser, das man für Säuglingsnahrung verwendet, so keimarm wie möglich sein. Am einfachsten erreicht man das durch Abkochen und indem man die Finger von Wasser lässt, das möglicherweise mit Keimen belastet ist.

Schwermetalle und radioaktive Substanzen: Für Säuglinge besonders schädlich

Babys wachsen schon vom Hingucken. Dabei verbrauchen sie reichlich Mineralstoffe und bauen sie ihren Körper ein, beispielsweise Unmengen von Calcium in die Knochen. Gleiches gilt allerdings auch für Schwermetalle wie Blei, Cadium und Quecksilber oder radioaktive Substanzen wie Uran, die im Skelett, Muskel und inneren Organen landen. Sind solche Ansammlungen schon für Erwachsene schädlich, führen sie bei Säuglingen bereits in geringer Konzentration zu Krankheiten und schweren Entwicklungsstörungen.

Bei der Verwendung von stillem Wasser für Babynahrung sollte man daher im Hinterkopf behalten, dass die Grenzwerte vieler Schwermetalle bei Mineralwasser gemäß der Trinkwasserverordnung wesentlich höher sein dürfen als beim Leitungswasser: Der Bleigehalt kann hier fünfzigmal höher liegen! Daher sollte man sich auf spezielles Babywasser oder stilles Mineralwasser mit der Bezeichnung „Für die Zubereitung von Babynahrung geeignet“ halten.

Pestizide und andere Schadstoffe sammeln sich in Kleinkindern auf lange Zeit an

Viele Schadstoffe wie Pestizide aus der Landwirtschaft oder Dioxine aus der Industrie sammeln sich in Fettgewebe und inneren Organen an. Dort bleiben sie unter Umständen ein Leben lang und führen bei Kindern zu Störungen in der Entwicklung.

Daher ist möglichst geringer Schadstoffgehalt wesentliches Kriterium für Wasser zur Zubereitung von Säuglingsnahrung. Die gängigsten Schadstoffe sind durch die Trinkwasserverordnung streng reglementiert, sodass in diesem Punkt alle Wasser für Babynahrung geeignet sein sollten.

Wie schädlich sind Nitrit und Nitrat für Babys?

Ein besonderes Problem ist das Nitrat, das in der industriellen Landwirtschaft mit dem Eintrag von Gülle ins Grundwasser und in die Oberflächenwasser gelangt. Macht die Darmflora aus Nitrat Nitrit, bindet dieses an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin. Dieses Methämoglobin ist für den Sauerstofftransport ungeeignet.

Besonders betroffen sind davon Säuglinge: Ihre Darmflora unterscheidet sich wesentlich von der eines Erwachsenen, da sie erst wenig Magensäure produzieren. Sie bildet besonders viel Nitrit, wenn Nitrat in der Nahrung vorhanden ist. Im Gegensatz zu Erwachsenen haben Kleinkinder noch keine Methämoglobin-Reduktase, ein spezielles Enzym, das Methämoglobin in normales Hämoglobin zurückverwandelt. Zudem weisen Babys noch fetales Hämoglobin auf (HbF), das besonders empfindlich auf Nitrit reagiert.

Die Folge Methämoglobin-haltigen Blutes: Blutarmut. Die Kinder haben eine unzureichende Sauerstoffversorgung, die sich in auffälliger Blässe und blauen Lippen äußert – ein Symptom, das man als Säuglingszyanose bezeichnet.

Mit hohen Nitratwerten ist Wasser für Säuglingsnahrung nicht geeignet. Die Einhaltung der Grenzwerte des Nitratgehaltes gemäß der Trinkwasserverordnung ist für die Wasserzulieferer und Hersteller von Mineralwasser ein wachsendes Problem.

Mineralstoffe: Im Wasser für Babynahrung nur in den richtigen Mengen!

Viele Mineralwasser sind für Säuglingsnahrung nicht geeignet, weil sie erhebliche Mengen an Mineralsalzen enthalten. Was bei den Eltern für Geschmack sorgt, ist für Babys ungeeignet, da die jungen Nieren mit der Ausscheidung großer Mengen Mineralstoffe noch nicht klarkommen. Das gilt insbesondere für Natrium und Sulfat, das in vielen Mineral- und Tafelwassersorten recht hoch sind – höher als es die deutsche Trinkwasserverordnung bei Leitungswasser erlauben würde.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

Themen: Wasser