Wie wichtig sind Mineralien im Trinkwasser?

Hauptargument vieler Mineralwasser-Befürworter ist der hohe Mineraliengehalt des Flaschenwassers gegenüber normalem Leitungswasser. Was hat es beim Mineral- und Tafelwasser mit höheren Mengen an Mineralien gegenüber Trinkwasser auf sich?

Pro und kontra Leitungswasser: Argument Mineralgehalt

Wasser aus der Leitung ist in Sachen Umweltfreundlichkeit unschlagbar. Zudem liegt sein ökologischer Fußabdruck nahe Null. Anders als beim Wasser aus der Flasche sind weder Verpackung, Transport noch Reinigung der Behältnisse notwendig. Einwegflaschen aus Plastik lassen die Müllberge anwachsen, Mehrwegflaschen sind durch Weichmacher und andere Chemikalien gesundheitlich bedenklich. Glasflaschen fallen beim Transport durch ihr hohes Gewicht unangenehm auf.

Selbst das billigste Mineralwasser kann beim Preis nicht mithalten: Wer täglich zwei bis drei Liter Leitungswasser konsumiert, zahlt dafür im Jahr den Gegenwert von ein oder zwei Sprudelkisten.

Hauptargument der Mineralwasser-Befürworter ist der Gehalt an Mineralstoffen, den das Leitungswasser nicht in dieser Menge bereitstellen könne.

Es war einmal: Mineralwasser mit hohem Mineraliengehalt

Diese Argumentation hat sich spätestens seit der Angleichung der Gesetzeslage an EU-weite Richtlinien erledigt. Bis ins Jahr 1980 musste Mineralwasser einen Gehalt von wenigstens 1.000 Milligramm Mineralstoffen aufweisen. Heutzutage enthält Wasser aus dem Hahn vielerorts mehr mineralische Substanzen als die meisten Mineralwasser. Stiftung Warentest qualifizierte viele „Mineral“wasser als mineralstoffarm.

Mineralwasser: Was sagt das Etikett?

Welche Angaben auf dem Etikett einer Wasserflasche zu stehen haben, regeln die deutsche Mineral- und Tafelwasserverordnung und die Lebensmittel-Informationsverordnung der EU. Bei Mineralwasser ist der Gehalt einiger Mineralien auf dem Etikett anzugeben, wie

Kationen:

  • Natrium
  • Kalium
  • Calcium
  • Magnesium
  • Lithium

Antionen:

  • Hydrogencarbonat
  • Chlorid
  • Sulfat
  • Fluorid
  • Kieselsäure

Je nach Menge dieser Substanzen unterscheidet Mineralwasser mit

  • hohem (über 1.500 mg/l),
  • mittlerem (500 – 1.500 mg/l),
  • geringem (unter 500 mg/l) und
  • sehr geringem (unter 50 mg/l) Mineralstoffgehalt.

Stiftung Warentest konnte zeigen, dass nur acht der untersuchten 30 Mineralwassersorten mehr Mineralien enthielten als das mineralstoffreichste Leitungswasser.

Mineralstoffgehalt von Mineralwasser und Trinkwasser

Vielfach überschätzt man die Bedeutung der Menge an Mineralien in Getränken. Wesentlich mehr Mineralstoffe führt man dem Körper über die Nahrung zu. Zudem liegt der viel beschworene Gehalt an Kationen und Anionen bei Mineralwasser oft nicht höher als bei Trinkwasser. Wer besonderen Wert auf Calcium und Magnesium legt, sollte die entsprechenden Analysewerte genau anschauen und sich zum Vergleich bei seinem Wasserversorger erkundigen.

Pro Leitungswasser

Leitungswasser ist nicht nur ökologisch sinnvoller als Mineral- und Tafelwasser, es sind damit auch keinerlei Nachteile bei der Mineralstoffversorgung verbunden. Hinzu kommt, dass nach der Trinkwasserverordnung Schadstoffe teils wesentlich strenger kontrolliert sind als nach der Mineral- und Tafelwasserverordnung.

Oft zitiertes Beispiel ist der Grenzwert von Blei, der im Mineralwasser fünfmal höher liegen darf als im Trinkwasser. Ähnliches gilt für zahlreiche andere Substanzen. Nach den Regelungen der Trinkwasserverordnung dürften die Wasserversorger die meisten Mineralwasser ihren Kunden nicht anbieten.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

Themen: Wasser