Ausgefusselt: Wie vermeide ich Mikroplastik bei der Wäsche?

Mal ehrlich: Wie oft ist das Flusensieb Ihrer Waschmaschine voll? Das ist nur die Spitze des Eisberges, der in Form von Mikroplastik in unseren Ozeanen treibt. Kunstfasern tragen einen wesentlichen Anteil dazu bei. Was muss man als Verbraucher beachten, damit möglichst wenig von dem mikroskopischen Müll im Meer landet und letztendlich über die Nahrungskette zu uns zurückkommt? Und was unternehmen andere?

Kein Plastik - kein Mikroplastik? Baumwolle ist nicht die perfekte Lösung!

Die Waschmaschine spuckt naturgemäß nur dann Mikroplastik aus, wenn man sie mit Kunststoff zum Zerkleinern füttert. Baumwollfasern liefern lästige, aber biologisch abbaubare Fusseln. Der Haken am natürlichen Material: Für seine Herstellung ist wesentlich mehr Wasser notwendig als für die Produktion von Kunstfasern. Zudem werden für den Anbau häufig Pestizide eingesetzt, die langfristig die Trinkwasserqualität gefährden.

Andererseits handelt es sich bei Baumwolle um einen nachwachsenden Rohstoff, bei Kunstfasern um ein Produkt aus Erdöl mit begrenzten Ressourcen, das zudem für seine Erzeugung wesentlich mehr Energie erfordert. So ganz einfach ist die Beurteilung der Effekte eines textilen Stoffes auf die Umwelt nicht, aber verstärkt auf Baumwolle zu setzen ist nicht die Lösung des Problems.

Weniger Mikroplastik mit weniger und anders Waschen

Umweltbewusste Verbraucher sollten darauf achten, dass beim Waschen so wenig Mikroplastik wie möglich entsteht. Natürlich möchte niemand mit durchgeschwitzten Sportklamotten tagelang herumlaufen, aber ist die Wascherei wirklich immer so oft notwendig wie wir das praktizieren? Unsere Ururgroßeltern wären entsetzt, wie oft wir die Waschmaschine anwerfen. Kein Wunder, war doch zu ihrer Zeit der Waschtag ein ganztägiges Ereignis mit Einweichen, Kochen, Stampfen und mühsamem Schrubben auf dem Waschbrett. Und das alles ohne moderne Waschmittel, die all das praktisch von alleine erledigen.

Moderne Technik hat es uns zu leicht gemacht. Darüber müssten wir wesentlich öfters nachdenken, bevor wir etwas kaum Getragenes in den Wäschekorb stecken. Auf jeden Fall sollte man im Hinterkopf behalten, dass die großen Wassermengen bei Pflegeleicht und Vorwäsche wie auch hohe Temperaturen besonders viel Mikroplastik freisetzen. Oft reichen dreißig Grad und Hauptwaschgang völlig aus.

Weniger Textilien kaufen wäre der wichtigste Schritt!

Kleidung ist zur Wegwerfware geworden: 60 Kleidungsstücke kauft jeder Deutsche pro Jahr, Unterwäsche nicht eingerechnet. Getragen werden sie aber nur halb so lange wie vor fünfzehn Jahren. Weiteres Manko: Das meiste Mikroplastik wird bei den ersten Waschvorgängen produziert. Ob ständig neue Klamotten im Schrank immer sinnvoll sind, sei dahingestellt - nachhaltig ist unser Horten und Wegschmeißen sicherlich nicht.

Die niedrigen Preise der Billig-Modeketten haben die Wertschätzung für gute Kleidung in den Keller getrieben. Unsere Ex- und Hopp-Mentalität ist nur möglich, weil in der Dritten Welt Menschen mit schlechter Bezahlung und unter unsäglichen Arbeitsbedingungen für unsere Billigware schuften. Hinzu kommt ein schwunghafter Handel mit Altkleidern. Die damit verbundene Umweltverschmutzung ist ein nicht minder großes Problem wie das mit dem Mikroplastik und verhindert zusehends, dass den Menschen gesundes Trinkwasser zur Verfügung steht.

Bundesministerium fördert Forschung zur Vermeidung von Plastik in der Umwelt

Auf Dauer ist somit vor allem die Textilindustrie in der Verantwortung - in mehr als einer Hinsicht. Es gibt erste Anstrengungen, Stoffe mit deutlich reduziertem Mikropartikelausstoß zu produzieren. Darüber hinaus versucht man, die Bildung von Plastikteilchen beim Waschgang besser zu verstehen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt mit rund 1,7 Millionen Euro einen Forschungsschwerpunkt "Plastik in der Umwelt: Quellen - Senken - Lösungsansätze", PlastikNet, der hierzu wissenschaftlich fundierte Problemlösungen sucht.

Wie lassen sich die Probleme in Kläranlagen lösen?

Bis sich hier Lösungen finden lassen, versucht man wenigstens die Technologie der Kläranlagen zu verbessern. Damit will man das Abwasser künftig besser von Mikroplastik befreien, bevor es ins Grundwasser oder in Oberflächenwasser gelangt und so unsere Versorgung mit Trinkwasser beeinträchtigt. Ansonsten kommt es wie Nitrate, Pestizide, Arzneimittel und all unsere sonstigen Umweltsünden früher oder später zu uns zurück und stellt die Wasserversorger, die für einwandfreies Leitungswasser verantwortlich sind, vor immer größere technische Probleme.

Verbesserte Verfahren zur Entfernung von Mikroplastik auf dem Klärwasser sind ebenso wie spezielle Flusensiebe für die Waschmaschine gut gemeint und sicherlich hilfreich. Letzten Endes setzen solche Lösungen aber zu spät an, um das Problem dauerhaft und sinnvoll zu lösen.

Quellen, Links und weiterführende Literatur