Bessere Wasserqualität, besserer Zugang: Neuer Richtlinienentwurf des Europaparlaments

Am 23. Oktober 2018 haben die Abgeordneten des EU-Parlaments beschlossen, die Qualität des Trinkwassers zu verbessern und die Zugangsmöglichkeiten zu erleichtern. Das klingt nach Arbeit: 224 Änderungsanträge zur Trinkwasserrichtlinie liegen aktuell vor. Zeit für eine solche Aktualisierung ist es längst – die gültige Richtlinie stammt aus dem Jahr 1998.

Das Trinkwasser innerhalb der EU ist schon heute wesentlich besser als das der meisten anderen Länder. Trotzdem sieht man Nachholbedarf. Die EU-Trinkwasserrichtlinie legt alle Standards der Mindestqualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch fest – ähnlich wie die nationale Umsetzung in Form der Deutschen Trinkwasserverordnung (TrinkwV). Deren Grenzwerte sind noch wesentlich strenger. Sie garantieren, dass deutsches Trinkwasser als eines der Besten weltweit gilt.

Die Ziele des neuen Richtlinienentwurfes

Die Abgeordneten sprechen sich für strengere Grenzwerte für Schadstoffe im Trinkwasser aus. Zudem wollen sie die öffentliche Trinkwasserversorgung mit frei zugänglichen Trinkwasserquellen in öffentlichen Gebäuden und kostenfreiem Leitungswasser in Restaurants verbessern.

Zu den Änderungen gehört die Überarbeitung der Grenzwerte für Schwermetalle und andere Schadstoffe. So will man den zulässigen Grenzwert für Blei im Trinkwasser halbieren und bisher nicht überwachte Substanzen kontrollieren, die hormonähnlich wirken oder als krebserregend gelten. Verbraucherverbände und Naturschützer monieren deren fehlende Kontrolle seit Jahren.

Mehr Trinkwasser, weniger Plastikmüll

Wesentlicher Hintergrund für den neuen Richtlinienentwurf sind die aktuellen Horrormeldungen über Plastikmüll. Ob kilometergroße Müllteppiche, Plastikflaschen an den tiefstgelegenen Stellen des Meeres oder allgegenwärtiges Mikroplastik: In den Ozeanen erweisen sich Kunststoffreste als rapide wachsendes Umweltproblem, das Ökosysteme und Gesundheit bedroht und bis in die Nahrungskette hineinreicht. Mittlerweile konnten Wissenschaftler Mikroplastik in Fischen und im menschlichen Darm nachweisen.

Nachdem die EU Trinkhalmen und anderen Einwegartikeln aus Plastik bereits den Kampf angesagt hat, will man nun auch den Anteil von Plastikflaschen für Getränke vermindern. Als Deutschland zwischen 2003 und 2006 das heute gültige Pfandsystemsystem einführte, sollte dieses die Verbraucher von Mehrwegsystemen überzeugen. Was gut gemeint war ging gründlich daneben: Ex und Hopp-Plastikflaschen erfreuen sich großer Beliebtheit und tragen wesentlich zum deutschen Müllberg bei.

Plastikmüll als Kostenfaktor

Nach Berechnungen der EU-Kommission könnten öffentliche Haushalte jährlich über 600 Millionen Euro einsparen, wenn die Bürger weniger Getränke aus Plastikflaschen und mehr Leitungswasser konsumieren. In Anbetracht der ohnehin hohen Wasserqualität in Deutschland spricht nichts gegen einen vermehrten Gebrauch von Wasser aus der Leitung zum Trinken. Lassen wir uns überraschen, wie die Neufassung der Trinkwasserrichtlinie ausieht.

Quellen, Links und weiterführende Literatur