Wie gefährlich ist Mikroplastik im Trinkwasser für unsere Familien?

Meeresbewohner verenden an gefressenen Plastikmüll, Kunststoffe wurden in der Tiefsee gefunden und Mikroplastik taucht sogar im menschlichen Darm auf. Letzteres gelangt über Nahrungskette und Kosmetika in unseren Körper. Wie steht es eigentlich mit dem Gehalt an Mikroplastik im Trinkwasser, wenn die EU über geänderte Bestimmungen nachdenkt?

Horrormeldungen über Mikroplastik im Trinkwasser

Mikroplastik entwickelt sich zu einem neuen Lieblingsthema der Boulevardpresse. So hat eine amerikanische Studie der NGO Orb Media weltweit überall Mikroplastik im Trinkwasser festgestellt. Deutsches Leitungswasser schnitt mit am besten ab, enthielt aber in über siebzig Prozent der Proben Plastikpartikel – wenn auch nur in verschwindend geringer Zahl. Wissenschaftler schütteln über die verwendeten Messmethoden den Kopf. Trotzdem weist diese Studie auf ein weltweit eklatant gewordenes Problem hin.

Wird Trinkwasser auf Mikroplastik kontrolliert?

Bisher führen die Wasserversorger keine spezielle Kontrollen auf Mikroplastik durch. Allerdings gibt es bereits routinemäßige Untersuchungen auf Partikel aller Art. Feststoffe haben im Trinkwasser grundsätzlich nichts zu suchen, egal ob es sich dabei um Schwebstoffe, Bakterien oder Mikroplastik handelt. Ob so gefundene Partikel tatsächlich aus Mikroplastik bestehen lässt sich nur mit speziellen Verfahren wie der Infrarotspektrokopie oder Massenspektrometrie feststellen. Sollte das EU-Parlament auf solchen speziellen Kontrollen bestehen, wird das die wasserversorgenden Betriebe vor erhebliche technische Probleme stellen.

Wie wahrscheinlich ist Mikroplastik im Trinkwasser?

Mikroplastik spielt bisher nur in Oberflächenwasser eine Rolle. In Deutschland stammen etwa 80 Prozent des Trinkwassers aus Grundwasser. Hier bilden die Bodenschichten einen natürlichen Filter, der äußerst effektiv arbeitet – noch nicht einmal Bakterien oder Viren finden sich im Grundwasser, obwohl sie noch wesentlich kleiner sind als Mikroplastik. Oberflächenwasser durchlaufen Filter, deren Poren nur Partikel im Nanometerbereich passieren können. Das Umweltbundesamt sieht daher keine aktuelle Gefährdung unseres Leitungswassers durch Mikroplastik.

Mikroplastik: Leitungswasser ist unproblematisch, Wasser aus Plastikflaschen nicht!

Ungeachtet aller Schreckensmeldungen ist Mikroplastik im Trinkwasser unser geringstes Problem. Bereits im Wasser aus Plastikflaschen finden sich wesentlich mehr Plastikpartikel als im Wasser aus dem Hahn. Hinzu kommen bei Flaschenwasser andere unerwünschte Substanzen wie Weichmacher mit hormonartiger Wirkung und Schadstoffe, deren Grenzwerte gemäß der Mineral- und Tafelwasserverordnung wesentlich höher liegen als die der Trinkwasserverordnung. Oft zitierter Grenzwert ist der Bleigehalt, der in Flaschenwasser fünfzigmal höher sein darf als beim Leitungswasser.

Wesentlich mehr Mikroplastik nehmen wir aus anderen Quellen auf, vor allem durch Kosmetikprodukte wie Zahnpasta sowie Kunststoff, der über Verpackungen und Zubereitung in unser Essen gelangt. Früher oder später wird auch Mikroplastik aus der Nahrungskette, allen voran Fischen und Meeresfrüchten eine wachsende Rolle spielen.

Quellen, Links und weiterführende Literatur