Der Schein trügt: Was ist Silberwasser?

Vor allem im Internet begegnet man Anbietern, die Silberwasser in Flaschen verkaufen. Dabei handelt es sich um metallisches Silber in wässriger Lösung, das als Nahrungsergänzung oder Arzneimittel gegen eine Vielzahl von Erkrankungen angepriesen wird. Dabei sollte man vorsichtig damit umgehen - bei innerlicher Anwendung kann Silber wie jedes Schwermetall Vergiftungserscheinungen hervorrufen.

Silberwasser ist keine neue Erfindung - man verwendete die Lösung bereits im späten 19. Jahrhundert zur Verhinderung von Infektionen, da es Bakterien zuverlässig abtötet. Mit dem Aufkommen der Antibiotika hat es an Bedeutung verloren, da diese einfacher herzustellen und zu verabreichen sind. Erst in den vergangenen Jahren wird es immer häufiger im Internet angeboten. Als Allheilmittel soll es wie ein natürliches Antibiotikum wirken, das Immunsystem stärken und sogar Krebs und Diabetes vorbeugen.

Was ist Silberwasser?

Silberwasser bezeichnet man auch als kolloidales Silber oder Nanosilber. Dabei handelt es sich um wenige Nanometer große Partikel des Edelmetalls, die in Wasser eine stabile Dispersion bilden. Herstellen lässt es sich durch Vermahlen metallischen Silbers in speziellen Mühlen oder durch Elektrolyse von Silbersalzen. Der Witz an den mikroskopisch kleinen Partikeln: So bleiben die Silberteilchen in Lösung, ohne sich am Boden abzusetzen und weisen zugleich eine große Oberfläche auf.

Wo verwendet man Silber?

Silber nutzt man in Form von Silberwasser oder Silberfäden medizinisch, um damit Verbandsmaterialien herzustellen. Die Beimengung behindert die Vermehrung von Bakterien, Viren und Pilzen. Dieser Effekt ist insbesondere für chronische Wunden wie beim Unterschenkelgeschwür oder diabetischen Fußsyndrom wichtig. Ebenso verwendet man Silbertextilien bei Patienten mit Neurodermitis oder Psoriasis, da das Material Infektionen und Entzündungen verhindert. In Sportbekleidung hemmt Silber das Bakterienwachstum, das dem Schweiß zu seinem unangenehmen Geruch verhilft. Ebenso verhindert es in Wasserfiltern eine begrenzte Zeit lang das Bakterienwachstum.

Wieso tötet Silberwasser Bakterien?

Silber und einige andere Schwermetalle wie Blei, Kupfer, Zinn und Quecksilber zeigen einen sogenannten oligodynamischen Effekt. Die Metalle bilden an ihrer Oberfläche kleine Mengen an Kationen, die schnell mit Schwefel-, Säure- und Aminogruppen von Aminosäuren reagieren. Das führt zu Änderungen in der Struktur von Enzymen, die so unbrauchbar werden und für das Absterben von Mikroorganismen führen.

Silber lagert sich im Körper ab

Dummerweise funktioniert dieser oligodynamische Effekt auch bei menschlichen Zellen: Sie werden ebenso geschädigt und sterben bei hohen Silberkonzentrationen ab. Zur Erinnerung: Silber ist ein Schwermetall, genau wie Blei und Quecksilber. Wie diese lagert es sich im Körper ab und sammelt sich mit der Zeit an. Nur ein geringer Teil wird in der Leber an spezielle Eiweiße gebunden und damit über die Nieren ausgeschieden. Der Rest sorgt führt zu Beeinträchtigungen von Leber und Niere, Herz, Milz und anderen Organen.

Wenn die Haut grau wird

Deutliches Zeichen einer fortschreitenden Silbervergiftung ist eine bläulich-graue Verfärbung von Haut und Schleimhäuten. Das betrifft vor allem das Zahnfleisch und die Oberhaut. Wesentlich gefährlicher sind die Auswirkungen auf das Nervensystem. Nervenzellen binden Schwermetalle ebenso wie andere Körperzellen, sind aber praktisch nicht erneuerbar.

Deutliches Zeichen ist eine Schädigung der aus Nervenzellen bestehenden Netzhaut mit Sehstörungen und Nachtblindheit. Kritisch werden die Schäden zwar erst ab einer Silbermenge über einem Gramm, aber die Folgeschäden sind unmöglich abzusehen.

Sogar die Verwendung von Silberverbänden, Silbertextilien und Kosmetika mit kolloidalem Silber sieht man inzwischen kritisch. Nanopartikel sind in der Lage, die Hautbarriere zu durchdringen. Lösen lässt sich dieses Problem durch die Verwendung von etwas größeren Mikropartikeln, die an der Hautoberfläche verbleiben und mit der Zeit mit den Hautzellen verschwinden.

Vorsicht bei innerlicher Anwendung von Silberwasser!

Vollmundige Werbeversprechen sollten immer Anlass zu Misstrauen geben. Bei Silberwasser ist das nicht anders, denn wissenschaftlich belegt ist seine Wirksamkeit bei keiner einzigen Erkrankung. Eines ist sicher: Leitungswasser ist gesünder. Bedenken Sie, dass Silber nirgendwo im Körper benötigt wird, Enzyme schädigt und die Aufnahme einiger Medikamente behindert.

Wegen der nicht zu überblickenden möglichen Nebenwirkungen und Spätschäden warnen das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) und andere Stellen vor einer langfristigen Einnahme von Silberwasser. Das gilt insbesondere für die Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit, da Silber die Plazentaschranke überwindet und für Fehlbildungen des Embryos sorgt.

Quellen, Links und weiterführende Literatur