Vitamin A-Mangel und Hypervitaminose

Im Gegensatz zu vielen anderen Vitaminen ist Vitamin A fettlöslich. Daher kann der Mensch einen Vorrat in Leber und Fettgewebe anlegen. Bei einer Vitamin A-Überdosierung besteht die Gefahr von Vergiftungserscheinungen. Ein Vitamin A-Mangel kommt bei uns in Europa nur selten vor.

Wie viel Vitamin A benötigen wir?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Männern ein Milligramm-Äquivalent Retinol pro Tag, Frauen 0,8 mg-Äquivalent/d. Höher ist der Bedarf während der Schwangerschaft (1,1 mg Retinol/d) und Stillzeit (1,5 mg Retinol/d). Der Begriff Milligramm-Äquivalent rührt daher, dass das Vitamin A in verschiedenen Erscheinungsformen und Vorstufen auftritt. Dieses Sammelsurium rechnen Ernährungswissenschaftler in die entsprechende Menge Retinol um.

Welche Lebensmittel enthalten viel Vitamin A?

Vitamin A selbst kommt vor allem in tierischen Produkten vor. Da es in Leber und Fettgewebe gespeichert wird, finden sich hier hohe Mengen. Eine ungeliebte Variante des Leber-Vitamin A ist der Lebertran, von dem früher viele Kinder abends einen Löffel voll über sich ergehen lassen mussten.

In Form seines Provitamin A oder β-Carotin kommt es in Obst und Gemüse vor, beispielsweise Grünkohl, Spinat und Karotten. Das meiste davon wird bereits im Dünndarm in Vitamin A umgewandelt.

Wer leidet an Vitamin A-Mangel?

Studien der DGE haben gezeigt, dass die Vitaminversorgung mit Retinol & Co. in Deutschland gut ist. Eine Ausnahme machen Mädchen im Alter von 7 - 11 Lebensjahren. Hier liegt die empfohlene Tageszufuhr bei 0,8 mg Retinol.

Einen Mangel an Vitamin A bezeichnet man als Hypovitaminose. Problematisch ist eine solche Mangelsituation vor allem in Ländern der Dritten Welt. Dort führt sie zu Früh- und Fehlgeburten und beeinträchtigt das Wachstum der Kinder.

In Europa beeinträchtigen vor allem Stress, Rauchen und Alkohol die Aufnahme von Vitamin A aus dem Darm. Den gleichen Effekt haben Cholesterinsenker (Statine), Abführmittel (Laxantien) und Schwermetalle wie Cadmium und Blei. Bei Diabetes und Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kann das β-Carotin nur unzureichend in Vitamin A umgewandelt werden.

Welche Symptome treten bei Vitamin A-Mangel auf?

Das erste Symptom eines Vitamin A-Mangels ist Nachtblindheit. Das Vitamin liefert mit dem Sehpurpur Rhodopsin ein wichtiges Element des Sehvorgangs. Besteht der Vitamin A-Mangel längere Zeit fort, kommt es zu einer Xerophthalmie, einer Austrocknung von Hornhaut (Cornea) und Bindehaut (Conjunctiva) des Auges.

Besonders dramatisch sind die Auswirkungen eines Mangelzustandes während Wachstum und Entwicklung. Im Verlauf der Schwangerschaft kommt es zu Wachstumsstörungen und Missbildungen des Skeletts.

An Haut und Schleimhäuten macht sich das fehlende Vitamin mit trockener, schuppiger Haut bemerkbar. Die Haare fallen aus (Alopezie), die Nägel an Fingern und Zehen werden brüchig.

Eine funktionierende Schleimhaut ist für die Reproduktion unerlässlich. Spermien und Eizellen werden von Flimmerhärchen transportiert. Daher führt ein Vitamin A-Mangel zu reduzierter Fertilität und Unfruchtbarkeit. Mit dazu bei trägt die Rolle des Vitamin A bei der Synthese der Geschlechtshormone Testosteron und Östrogen und bei der Bildung von Ei- und Samenzellen.

Einen weiteren Effekt haben beeinträchtigte Haut und Schleimhaut auf das Eindringen von Bakterien und Viren. Neben der erhöhten Durchlässigkeit der Hautbarriere sorgt die verminderte Produktion von weißen Blutkörperchen und Antikörpern für vermehrte Infekte.

In den Nieren ruft eine erhöhte Calciumausscheidung vermehrt Nierensteine hervor. Mangelnder Einbau von Eisenionen in den roten Blutfarbstoff Hämoglobin führt zu Blutarmut (Anämie) mit Leistungsabfall und Müdigkeit.

Wie kommt es zu einer Vitamin A-Vergiftung?

Bei einem Überschuss an Vitamin A kann es zu Vergiftungserscheinungen kommen. Diese Beschwerden bezeichnet man als Hypervitaminose. Sie treten fast ausschließlich bei unsachgemäßem Gebrauch von Nahrungsergänzungsmitteln auf, in denen Vitamin A enthalten ist. Während wasserlösliche Vitamine wie Vitamin C oder Vitamin B über die Nieren ausgeschieden werden, sammelt sich das Vitamin vor allem in den Ito-Zellen der Leber an.

Das ist übrigens der Grund, warum die ersten Polarforscher häufig an einer Vitamin A-Vergiftung litten und etliche daran verstarben: Sie hatten zu viel Leber von erlegten Eisbären gegessen.

Dagegen ist eine Hypervitaminose mit einem Zuviel an Provitamin A aus pflanzlicher Nahrung ausgeschlossen. Stehen dem Körper ausreichende Mengen an Vitamin A zur Verfügung, stoppt er die Umwandlung des Carotins. Daher ist der "Karotten-Ikterus", eine Gelbfärbung der Haut durch reichlichen Genuss von Möhren und Tomaten, nicht behandlungsbedürftig. Eine Carotinämie tritt des Öfteren bei Säuglingen auf, die große Mengen Karottensaft zu trinken bekommen haben.

Wie äußert sich eine Vitamin A-Vergiftung?

Erste Anzeichen einer Vitamin A-Vergiftung sind Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle. Hinzu kommen Sehstörungen und Wachstumsstörungen. Leber und Milz schwellen an (Hepatomegalie und Splenomegalie), die Knochendichte nimmt ab (Osteoporose). Jahrelange regelmäßige Überdosierung von Vitamin A führt zu Leberzirrhose und ist oftmals tödlich.

Quellen, Links und weiterführende Literatur