Stress im Körper und seine Folgen

Stress ist bei jedem anders

Auslöser von Stress bezeichnet man als Stressoren. Umwelteinflüsse wirken sich bei jedem Menschen unterschiedlich aus: Während die Spinne an der Decke den einen nicht interessiert, bekommt der andere Panik – und das innerhalb von Millisekunden.

Ob wir auf eine Information gleichgültig oder mit erhöhter Alarmbereitschaft reagieren, entscheidet das limbische System unseres Gehirns. Es ist für die Verarbeitung von Emotionen verantwortlich und erkennt mögliche Gefahren.

Angst und Furcht sind Reaktionen der beiden Mandelkerne. Die Amygdala lernt aus Erfahrungen und entscheidet, welche Verhaltensweise angemessen ist. Zur Realisierung von Kampf oder Flucht nutzt sie einen schnellen und einen langsamen Weg.

In Sekundenbruchteilen von Null auf Hundert

Die schnelle Reaktion erfolgt über den Sympathikus des vegetativen Nervensystems. In Bruchteilen einer Sekunde übermittelt es Nervenimpulse der Amygdala an das Nebennierenmark, das die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin freisetzt. Die beiden Katecholamine rufen Alarm und erhöhen die Leistungsbereitschaft des Körpers.

Gleichzeitig schaltet der Gegenspieler des Sympathikus, der Parasympathikus Körperfunktionen wie Verdauung und Sexualfunktionen herunter. Für ein großes Geschäft hat man im Alarmzustand keine Zeit.

Stress – nicht nur reine Nervensache

Langsamer aber nachhaltiger verläuft die Reaktion über eine andere Hirnregion. Der Hypothalamus ist übergeordnete Schaltzentrale zahlreicher hormoneller Systeme und produziert Liberine oder Releasing-Hormone – Botenstoffe, die andere Hormondrüsen zur Ausschüttung ihrer eigenen Signalsubstanzen anregen.

Zu diesen Liberinen gehört das Corticotropin Releasing Hormone (CRH, Corticoliberin). Über ein Kapillarsystem gelangt es zum Hypophysenvorderlappen und aktiviert die Freisetzung von Adrenocorticotropin (adrenocorticotropes Hormon, ACTH). Dieses wiederum gelangt mit dem Blut zum Nebennierenmark und sorgt dort für die Ausschüttung von Cortisol. Das Glukokortikoid hat vielfältige Auswirkungen auf zahlreiche Stoffwechselfunktionen.

Was Sympathikus und Hormone im Körper bewirken

Sympathikus und die Hormone der Nebenniere erhöhen die Leistungsbereitschaft und verbessern die Überlebenschancen, egal ob man flüchten oder sich der Herausforderung zu stellen gedenkt. Ziel ist die verbesserte Versorgung der Muskulatur mit Sauerstoff und Energie.

Mehr Sauerstofftransport wird durch erhöhte Atem- und Herzfrequenz, steigenden Blutdruck und Aktivierung der Reserven an roten Blutkörperchen aus der Milz ermöglicht. Gleichzeitig greift die Leber auf gespeichertes Glykogen zurück und gibt es in Form von Glukose an das Blut ab. Der erhöhte Blutglukosespiegel dient als Energielieferant der Muskelaktivität.

Glukose und Sauerstoff gelangen durch weitgestellte Blutgefäße schnell und effizient in die Muskulatur. Gleichzeitig steigt die Muskelspannung, was zu nervösen Verspannungen, Zittern oder Zähneknirschen führt.

Darüber hinaus bereitet sich der Körper auf mögliche Verletzungen vor. Dann sind schnelle Blutgerinnung zur Verhinderung von Blutverlusten und eine in den Startlöchern stehende Immunabwehr notwendig, um eindringende Bakterien möglichst effektiv zu bekämpfen.

Wenn die Gefahr vorüber ist…

schalten wir einen Gang herunter. Das geschieht über eine Rückkopplungsschleife: Rezeptoren in den Gefäßen registrieren die Konzentration des Cortisols im Blut und verhindern eine weitere Ausschüttung aus der Nebenniere. Jetzt ist der Parasympathikus an der Reihe – wir kommen zur Ruhe und dürfen wieder an Verdauung und Libido denken.

Das haben wir uns gemerkt!

Ist eine solche Stressreaktion aufgetreten, prägt sich die Amygdala die Situation ein. Treten die gleichen Umstände erneut auf, versuchen wir uns zu schützen und rufen gegebenenfalls die Reaktion deutlich schneller ab als beim ersten Kontakt mit dem Stressor.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Hans-Christian Pape, Armin Kurtz, Stefan Silbernagl: Physiologie. 8. Auflage. Stuttgart 2018: Thieme-Verlag. ISBN-10: 9783132423879.
  • Martin Trepel: Neuroanatomie: Struktur und Funktion. 7. Auflage. München/Jena 2017: Urban & Fischer/Elsevier-Verlag. ISBN-10: 9783437412882.
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