Ich hab Rücken! – Rückenschmerzen im Büro

Ob Krankenpfleger oder Sekretärin: Nicht nur körperliche Arbeit belastet den Rücken. Mangel an Ergonomie und Gesundheitsvorsorge am Arbeitsplatz führen zu weitreichenden Problemen. Die Statistik zeigt, dass die dadurch verursachten Erkrankungen von wachsender volkswirtschaftlicher Bedeutung sind. Vorbeugende Maßnahmen wie ein durchdachtes betriebliches Gesundheitsmanagement werden daher immer wichtiger.

"Ich hab Rücken" ist auf dem Vormarsch

Laut Gesundheitsreport der Deutschen Angestellten-Krankenkasse waren 2018 Rückenschmerzen die zweitwichtigste Ursache für Krankheitstage im Beruf, gleich nach Atemwegsinfekten. Eng damit assoziiert sind Bandscheibenschäden und Probleme mit Schulter und Knie.

Jeder zwanzigste Erwerbstätige wurde 2017 wenigstens einmal wegen Rückenproblemen krankgeschrieben. Die damit verbundenen Kosten sind erheblich – Dorsopathien, wie der Fachbegriff lautet, waren 2008 mit neun Milliarden Euro die teuersten Erkrankungen in Deutschland. Davon entfielen lediglich 15 Prozent auf die medizinische Versorgung, aber 85 Prozent auf Produktionsausfälle infolge Arbeitsunfähigkeit.

Woher kommen Rückenprobleme im Büro und Beruf?

Körperliche Arbeit spielt nach wie vor eine nicht zu unterschätzende Rolle bei der Entstehung von Rückenleiden. Schweres Heben oder Tragen, oft verbunden mit unzuträglicher Körperhaltung wie Bücken oder Arbeiten über Kopf sorgen für Bandscheibenvorfälle, Lumbago und LWS-Syndrom. Neben den klassischen Handwerksberufen machen pflegerische Tätigkeiten in Krankenhaus und Altenheim oder die Schlepperei in Logistikberufen den Rücken kaputt.

Nicht nur körperliche Belastungen gefährden die Gesundheit – selbst im Büro ist man vor Rückenproblemen nicht gefeit. Stundenlanges Sitzen vor dem Computer entwickelt sich zum Problem, wenn die Ergonomie am Arbeitsplatz nicht perfekt ist und das betriebliche Gesundheitsmanagement nicht auf Bewegungspausen achtet.

Rente mit 70 - trotz Rückenleiden?

In diesem Licht klingt vielen Arbeitnehmern „Rente mit 70“ wie blanker Hohn. Mit zunehmendem Alter nehmen die Abnutzungserscheinungen von Gelenken und Bandscheiben immer weiter zu, sodass ein Weiterarbeiten bis zum Erreichen des regulären Rentenalters kaum möglich erscheint. Die fast unvermeidliche Frühverrentung ist mit erheblichen finanziellen Einbußen verbunden.

Was kann man gegen Rückenleiden im Beruf tun?

Vorsorge ist die beste Medizin. Jeder Arbeitnehmer kann durch gesunden Lebensstil mit ausreichender körperlicher Aktivität und vernünftiger Ernährung seinen Beitrag leisten. Methoden zum Stressabbau helfen, psychische Belastungen am Arbeitsplatz zu vermindern.

Darüber hinaus gewinnt die betriebliche Gesundheitsförderung zusehends an Bedeutung. Dazu gehören regelmäßige Gesundheitstage, eingehendes Gesundheitsmanagement und die Optimierung der Ergonomie am Arbeitsplatz. Die Bekämpfung von Mobbing gehört ebenso zu den Pflichten des Arbeitgebers und verhindert unnötigen Stress und Burnout.

Viele Betriebe leisten sich mittlerweile ein Gesundheitsmanagement und achten auf Firmenfitness sowie regelmäßige arbeitsmedizinische Untersuchungen. In die Gesundheit der Mitarbeiter investieren? Mit Sicherheit sinnvoller als Krankentage bezahlen.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Deutsche Angestellten-Krankenkasse: DAK-Gesundheitsreport 2018.
  • Statistisches Bundesamt: Gesundheit – Krankheitskosten. Aktualisiert am 14. August 2018.
  • Franz M. Wuketis: Zvilisation in der Sackgasse: Plädoyer für eine artgerechte Menschenhaltung. Murnau 2012: Mankau-Verlag. ISBN-10: 9783863740542.
  • Konrad Lorenz: Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit. 34. Auflage. München 1996: Piper-Verlag. ISBN-10: 3492200508.
  • Petra Bracht, Roland Liebscher-Bracht: Deutschland hat Rücken: Wie es so weit kommen konnte. Warum jetzt Schluss damit ist. Was Sie selbst dagegen tun können. München 2018: Mosaik-Verlag/Verlagsgruppe Random House. ISBN-10: 9783863740542.
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