Stetes Hin und Her: Wie berufsbedingtes Pendeln der Gesundheit schadet

Was tut man nicht alles dem Job zuliebe! Oft müssen Arbeitnehmer ihrer Anstellung hinterherziehen oder bekommen nur befristete Verträge. Gerade in den Ballungszentren ist es oft unbezahlbar, sich eine Wohnung in unmittelbarer Reichweite der Arbeitsstelle zu leisten. Der Haken an der Sache: Pendeln bedeutet Stress, und Stress schadet der Gesundheit.

Stress macht krank - immer!

Dreißig Millionen Pendler wissen davon ein Lied zu singen: je länger man unterwegs ist, desto größer der Stress. Schon mit weniger als einer Stunde Fahrzeit wird er erheblich. Und es ist nicht alleine der Stress beim Pendeln - auf der Arbeit angekommen geht es damit munter weiter, und nach Feierabend sorgt die liebe Familie dafür, dass er nicht vorschnell endet.

Stress, egal woher er kommt, führt immer zu den gleichen Symptomen: Schlafstörungen, durch die man tagsüber ständig müde ist, Verspannungen, Probleme mit der Verdauung oder mit dem Kreislauf. Nimmt der Stress in Beruf und Familie überhand, lassen massive psychische und physische Folgen nicht lange auf sich warten: Es drohen Herz-Kreislauf-Probleme, Depressionen und nicht zuletzt Burnout. Da haben verspätete Bahnlinien und Staus auf der Autobahn gerade noch gefehlt.

Eine wesentliche Rolle spielt dabei das persönliche Empfinden: Während einige Menschen scheinbar gleichmütig das Gewusel auf dem Bahnsteig ertragen, steigt bei anderen der Blutdruck in unermessliche Höhen, sobald sie sich einem Stauende nähern. Die Dauer des Pendels ist ebenso maßgeblich - aber zwei Stunden täglich auf der Straße oder mit der Bahn empfindet praktisch jeder als Stress.

Verkehrsmittel werden in Stadt und Land als unterschiedlich stressig empfunden

Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BIB) befasste sich mit den deutschen Daten der europäischen Studie "Job Mobilities and Family Lives in Europe", nach welcher die Wahl des Verkehrsmittels eine große Rolle beim Stressempfinden spielt. Man kommt zu dem Schluss, dass in ländlichen Gebieten das Auto, in der Stadt der ÖPNV besser abschneidet. Darüber hinaus empfinden Pendler die Fahrt mit dem Bus als belastender als die mit Zug und S- oder U-Bahn. Zudem stellt man fest, dass die Zahl der Pendler ständig zunimmt: Lag der Anteil an den Berufstätigen im Jahr 2000 noch bei 53 Prozent, waren es 2016 bereits 60 Prozent - Tendenz steigend.

Je größer die Pendelstrecke, desto mehr Krankmeldungen

Statistiken zeigen, dass die Zahl der Krankmeldungen mit wachsendem Abstand zwischen Wohn- und Arbeitsort ansteigt. In Ballungsgebieten, wo das Pendeln zum unvermeidlichen Volkssport geworden ist, werden solche gesundheitlichen Beeinträchtigungen für viele Firmen zum wirtschaftlichen Faktor. Kein Wunder, dass Maßnahmen gegen Stress durch tägliches Pendeln im betrieblichen Gesundheitsmanagement zusehends Beachtung finden. Jeder Arbeitnehmer freut sich, wenn sein Chef Einsicht zeigt und zu helfen versucht, statt morgens mit skeptischem Blick auf die Uhr auf ihn wartet.

Was kann der Arbeitgeber tun?

Lässt sich das Pendeln nicht vermeiden, kann der Arbeitgeber wenigstens für etwas Entlastung sorgen. Eine häufig erfolgreiche Maßnahme ist gleitende Arbeitszeit. In Städten scheinen ausgerechnet kurz vor acht und kurz nach sechzehn Uhr alle gleichzeitig auf den Beinen zu sein. Muss man nicht Punkt acht Uhr im Büro auf der Matte stehen, kann man schon mal für eine Bahn später aufstehen und die Stoßzeiten auf Autobahn und im ÖPNV vermeiden. Weniger Gedränge, freie Sitzplätze oder eine kaum befahrene Strecke machen die Sache wesentlich entspannter und tragen erheblich zum Stressabbau bei.

Bisweilen ist je nach Beruf Home-Office eine Lösung. Kann man an bestimmten Tagen zuhause bleiben, fällt wenigstens an diesen der Pendlerstress weg und man kann die Sache wesentlich entspannter angehen.

Langfristig dienen solche Angebote der Gesundheit der Arbeitnehmer, von denen auch der Arbeitgeber profitiert.

Quellen, Links und weiterführende Literatur