Warum ist Iod für die Schilddrüse so wichtig?

Iod begegnet man im Alltag vor allem in Form von Iodsalz. Mit diesem Zusatz will man den in Europa häufigen Iodmangel begegnen und Erkrankungen der Schilddrüse vorbeugen. Welche Bedeutung hat dieses Element für unseren Stoffwechsel?

Was ist Iod?

Iod ist ein chemisches Element (I), das wie Chlor und Brom zu den Halogenen gehört. Die dunkelgraue Substanz geht bereits bei Raumtemperatur vom festen in den gasförmigen Zustand über, ohne sich zuvor zu verflüssigen - sie sublimiert. Für den Menschen ist Iod ein Spurenelement, das er mit der Nahrung aufnehmen muss.

Iod ist essenzieller Bestandteil der Schilddrüsenhormone

Die größten Mengen an Iod im menschlichen Körper finden sich in der Schilddrüse, einer kleinen schmetterlingsförmigen Hormondrüse unterhalb des Kehlkopfes. Sie besteht aus kugeligen Strukturen, den Follikeln, die in ihrem Inneren mit Schilddrüsen-Kolloid gefüllt sind. Diese enthalten Thyreoglobulin (TG), ein Eiweiß, das den Grundbaustein für die Schilddrüsenhormone liefert. Die Schilddrüse ist ein fleißiger Sammler von Iod - sie fischt selbst kleinste Mengen davon aus der Blutbahn, um es im Kolloid an die Aminosäure Tyrosin anzuhängen.

Die so umgebauten Moleküle werden abgespalten und als Schilddrüsenhormon Thyroxin (Tetraiodthyronin, T4) an das Blut abgegeben. In der Peripherie spalten Deiodinasen eines der vier Iodmoleküle wieder ab und stellen so das hormonell noch wesentlich wirksamere Triiodthyronin (T3) her.

Iod und Schilddrüsenerkrankungen

Thyreoglobulin, Thyroxin und Triiodthyronin lassen sich als Blutwerte messen und geben Auskunft über den funktionellen Zustand der Schilddrüse. Damit lassen sich Erkrankungen wie Hashimoto-Thyreoiditis, Morbus Basedow oder Schilddrüsenkarzinome feststellen. Die Hormone sind wichtig für Wachstum und Entwicklung sowie für den Energiestoffwechsel - der Grund, warum Schilddrüsenüberfunktion und Schilddrüsenunterfunktion die Körpertemperatur erhöhen oder erniedrigen.

Zu wenig Iod in der Nahrung führt zum Kropf

Früher gehörte der Kropf in abgelegenen Alpendörfern zum täglichen Erscheinungsbild. Das lag an der unzureichenden Iodversorgung mit Trinkwasser und Nahrung: Kann die Schilddrüse nur wenig Iod aus dem Blut holen, vergrößert sie ihr Gewebe, um mit mehr Zellen noch etwas mehr davon zu erhaschen. Diese Schilddrüsenvergrößerung bezeichnet man medizinisch als euthyreote Struma.

Deutschland ist Iodmangelgebiet

Ganz so dramatisch war es im Rest des Landes nicht, vor allem nicht an der Küste, denn Seefisch gilt als ausgezeichnete Iodquelle. Trotzdem gilt Deutschland nach wie vor als Iodmangelgebiet. Das ist der Grund dafür, dass man Speisesalz mit Iod versetzt, um die Iodversorgung sicherzustellen.

Wie viel Iod soll man zu sich nehmen?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für Jugendliche und Erwachsene bis zum 50. Lebensjahr eine tägliche Zufuhr von 200 Mikrogramm (µg). In der Schwangerschaft steigt der Richtwert auf 230 µg, in der Stillzeit sogar auf 260 µg - hier ist der Bedarf für die Muttermilch besonders hoch.

Quellen, Links und weiterführende Literatur